Visionen 2 / Persönliches

Das bin ich, noch jung und voller Tatendrang ;-)
Das bin ich, noch jung und voller Tatendrang ;-)

 

In diesem Blog soll es ja nicht nur darum gehen, klug zu „schnacken“, sondern anhand meiner eigenen Erfahrungen sozusagen den „Praxis-Test“ zu machen. Deshalb gebe ich Dir jetzt einen Einblick in meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema „Visionen“, verbunden mit der Frage, welche aktuelle Vision mein Leben eigentlich gerade bestimmt bzw. leitet. Aber fangen wir am Anfang an:

Die Vision meiner Kindheit

Natürlich kann man sich an dieser Stelle fragen, ob Kinder überhaupt Visionen haben… Ich weiss nicht, wie das bei Dir war, aber ich habe mich viel und oft damit beschäftigt, mir meine Zukunft auszumalen und sie mir in den schönsten Formen vorzustellen. Insofern kann ich für mich sagen, dass ich schon als Kind Visionen über mein zukünftiges Leben hatte. Vielleicht ist das sogar die beste Zeit, um Visionen zu haben, da Kinder einen direkteren Zugang zu ihren „Träumen“ haben und nicht immer gleich in das „Bedenkenloch“ fallen…

Aber zurück zu mir… Die erste Vision, an die ich mich lebhaft erinnere, ist die Vision von mir als Seefahrer. Ja, jeder kleine Junge träumt davon, Lokomotivführer, Astronaut oder eben Kapitän zu werden, aber bei mir war es schon eine konkrete Vision. In meiner Kindheit haben wir alle Urlaube an der Nordsee auf einer Hallig verbracht, auf der auch Verwandte von uns lebten. Auf diese Urlaube habe ich immer hin gefiebert und sie ungeduldig erwartet. Dieses Klima von Seefahrt, Abenteuer und Fernweh hat mich enorm angezogen. Verbunden mit dem Wissen, dass hier ein Teil der Wurzeln meiner Familie liegt. Ja, ich weiss, es gab da auch Lehrer, Handwerker und Bauern unter unseren Ahnen, aber in mir schlug das „Seefahrer-Herz“. Ich verschlang Bücher über die Zeit der Windjammer, las die Jahresberichte der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und träumte davon, einer von ihnen zu sein.

Mein Traum vom Kapitän
Meine Vision vom Kapitän

Wenn ich mir diese Vision heute unter dem Thema ansehe, was sich daraus für mich als Leitlinien für mein Leben ergeben hat, bzw. was mich an dieser Vision so fasziniert hat, ist das nicht so leicht zu beantworten. Es ging mir nicht um das Fernweh, auch nicht um das Erleben von Abenteuern. Dazu hatte ich mich zu realistisch mit dem Thema auseinander gesetzt. Ich wusste von den Mühen und Plagen der Seefahrt und von den dort herrschenden Zwängen. Mit der heutigen Distanz würde ich sagen, das mich folgende Themen an dieser Vision angesprochen haben: die Übernahme von Verantwortung, das Leben in einer eingeschworenen Gemeinschaft, das gemeinsame Überwinden von Krisen und das besondere Verhältnis zur Natur. Mir war immer klar, dass ich auf einem Segelschiff arbeiten möchte; etwas anderes kam nicht infrage…

Verantwortung / Gemeinschaft / Krisen bestehen / Naturverbundenheit

Auch wesentliche Werte haben sich in dieser Zeit bei mir heraus gebildet. Neben dem bewussten Umgang mit der Natur wurden mir durch die Beschäftigung mit den Erlebnisberichten der Seefahrer die Werte Respekt vor den Leistungen anderer und die Sinnlosigkeit von Gewalt vermittelt. Kapitäne, die keinen Respekt vor ihrer Mannschaft hatten und ihre Autorität mit Gewalt durch setzten, waren schnell „ausgemustert“. Ich denke auch, dass mein Bild von „Autorität“ in dieser Zeit geprägt wurde.

Respekt / Gewaltlosigkeit / Autorität

Ich denke, auch mein Wunsch, anderen Menschen helfen zu wollen, ist in dieser Zeit aus der Bewunderung der Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, entstanden. Die Idee, anderen Menschen mit meinem Tun helfen zu können, hat mich früh begeistert. Und ich glaube, das es auch in dieser Zeit schon darum ging, Menschen nicht nur kurzfristig und spektakulär zu „retten“, sondern das meine Vorstellung von „Hilfe“ eher die einer langfristigen Begleitung entsprochen hat; also ein ehe pädagogischer Gedanke…

Hilfreich sein für andere in ihrer Entwicklung

Diese Vision prägte mich durch meine gesamte Kindheit und Jugend und wurde mit der zunehmende Reife immer konkreter und griffiger. Ich setzte mir „Zwischen-Ziele“, machte meinen Segelschein für das Binnenrevier und wollte diesen später auf das Küstenrevier ausweiten. Ich nahm Kontakt zur Bundeswehr auf. Warum zur Bundeswehr? Es gibt in Deutschland nur ein Segelschiff, das aus meiner damaligen Sicht noch die Möglichkeit einer beruflichen Tätigkeit bot: das Schulschiff „Gorch Fock“ der Marine. Ich hatte mir nichts weniger in den Kopf gesetzt, als der Kapitän der „Gorch Fock“ zu werden, oder zumindest ein Mitglied de Stamm-Mannschaft.

Dann kam die Zeit der Friedensbewegung… Mich störte die Vorstellung, dass beide Großmächte sich mit Raketen an der deutschen Grenze gegenüber stehen und das Deutschland Ausgangspunkt eines dritten Weltkrieges sein würde… Ich beteiligte mich an Demos und war bei den Ostermärschen dabei… Und dann war klar: das war mit meiner bisherigen Vision nicht vereinbar. Ich mußte mich entscheiden: für meine Werte oder für meine Vision. Ich entschied mich für meine Werte und trat kurz darauf meinen Zivildienst an, den ich in einer Kinderklinik leistete.

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Uniklinik Münster

Ich weiss nicht mehr genau, warum es eigentlich die Kinderklinik wurde… Altersheim und Behinderte wäre für mich nicht gegangen, wenn ich ehrlich bin. Aber was mit Kindern zu machen, konnte ich  mir gut vorstellen. Und ich hatte Glück, ich bekam gleich die gewünschte Stelle und die Arbeit dort machte mir großen Spass. So viel, dass ich mir später noch im Studium als Nachtwache dort Geld dazu verdient habe.

„Visions-technisch“ hing ich zu der Zeit in einem Loch… Meine ursprüngliche Vision war geplatzt, ich hatte keinen „Plan B“… Mein Vater, ein leidenschaftlicher Ingenieur, wollte natürlich gerne, dass ich in seine Fuss-Stapfen trete. Ich habe auch zwei Praktiken in diesem Bereich gemacht, aber schnell fest gestellt, das ich weder eine Affinität zu Zahlen und Konstruktionen habe, noch das ich das „Klima“ auf Baustellen ansprechend fand. Ich ließ die Idee, Ingenieur zu werden, zum Bedauern meines Vaters fallen.

Verschiedene Ideen und Visionen spukten mir in dieser Zeit durch den Kopf… Meine Naturverbundenheit führte mich zum Biologie-Studium (was macht man als Biologe?), oder zur Garten- und Landschaftsarchitektur (keine Stellen…). Die Arbeit in der Kinderklinik legte die Idee des Medizinstudiums nahe (zu lange Wartezeit, zu große Verantwortung); Psychologie war Thema (zu viel Statistik) oder auch Pädagogik (zu trocken).

Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeut

Schließlich las ich ein damals sehr populäres Buch, dass die Heilung eines autistischen Jungen als Erfahrungsbericht sehr anschaulich schilderte. Dieses Buch brachte damals das Thema Autismus in die breite Öffentlichkeit und mir machte es klar: DAS ist das , was ich will: Menschen bzw. Kinder auf einem solchen Weg helfen und ihnen den Weg in´s Leben zeigen. Ich machte mich auf die Suche und Recherche und fand heraus, dass ich Sozialpädagogik studieren mußte, um dieses Ziel zu erreichen bzw. diese Vision umzusetzen. Gesagt, getan…

Systemisches Denken

Im Studium konzentrierte ich mich vor allem auf die Themen: Erziehung, Beratung und Familie. Während meines Studiums in den 80´er Jahren vollzog sich ein revolutionärer Wandel im Psychologischen / Therapeutischen Denken: Betrachtete man bisher immer das auffällige Kind als das zu behandelnde „Problem“, gerieten in dieser Zeit die Beziehungen in der Familie zunehmend in den Blick der Therapeuten. Es entstand eine neue Art, mit „Problemen“ umzugehen. Das „systemische Denken“ hatte in alle Bereiche der Psychologie und der Pädagogik Einzug gehalten und griff immer weiter um sich. Es dauerte auch nicht lange, bis ich damit in Berührung kam: ein wesentlicher Professor an unserer Hochschule ließ sich gerade als systemische Therapeut ausbilden und auch der Ausbilder, bei dem ich mich während des Studiums zum Mitarbeiter am „Kinder-Sorgen-Telefon“ des Kinderschutzbundes ausbilden ließ, befand sich gerade beim selben systemischen Institut in Ausbildung. Ich war schnell von dieser neuen Art des Denkens infiziert und mich begeisterte diese neue, philosophische und ganz andere Art, mit Menschen und ihren „Problemen“ umzugehen. Und wieder war schnell für mich klar: DAS will ich auch! Ich wollte Systemischer Therapeut werden und Familien auf diese Art und Weise beraten und unterstützen.

Der Weg in die Jugendhilfe

Auch hier musste ich meine Vision wieder ein Stück weit an die Realität anpassen: denn die Entscheidung für die systemische Therapie bedeutete den Abschied von dem Ziel „Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeut“, zumindest in der Welt der Krankenkassen… denn diese lassen nur Therapeuten zu, die eine Ausbildung in Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologie gemacht haben. Und beides kam für mich nach meiner Entscheidung für das systemische Denken nicht mehr infrage. Es musste auch irgendwie anders gehen…

Ich wählte den Weg in die Jugendhilfe mit der Hoffnung, einer der wenigen und begehrten Stellen in einer Erziehungsberatungsstelle zu bekommen. Für das Anerkennungsjahr klappte das auch, wenn auch im weiteren Umfeld von Münster. Aber danach lenkte mich das Leben von meiner beruflichen Vision ab…

Bevor ich meinen Wunsch, die systemische Ausbildung zu machen, realisieren konnte, waren erst mal andere Themen dran… Bevor ich andere bei der Lösung ihrer Familiären Probleme unterstützen konnte, gründete ich erstmal selber eine Familie… Hochzeit, Schwangerschaft, die Geburt unseres ersten Kindes, die erste feste Stelle… keine Beratungsstelle, sondern die Leitung einer Aussenwohngruppe in einem Kinderheim… Erziehung lernen „von der Pike auf“, so habe ich das gesehen…

Dann die Geburt unseres zweiten Kindes und die Auseinandersetzung damit, dass beide Kinder krank sind, lebenslang. Das eine mehr als das andere… Und mit dieser privaten Belastung dann das Einsehen, dass der Schichtdienst im Heim damit nicht gut zu kombinieren ist… eine neue Stelle gesucht und sie bei einem Träger für Sozialpädagogische Familienhilfe gefunden. Hier kam ich meiner Vision der Erziehungsberatung schon ein Stück weit näher. Auch mochte ich die Nähe zu den Klienten in ihren eigene Wohnungen. Da ist vieles direkter und deutlicher, als in der „abgehobenen“ Beratungsstelle…

Neues Denken fördern / Krisen meistern

Aber nach kurzer Zeit wurde mir das zu eingefahren, zu langweilig. Was mich interessierte waren die Familien, bei denen scheinbar nichts mehr half und bei denen viele Fachkräfte „rumgeeiert“ haben (so sah ich es damals). Dann hörte ich von einer neuen Einrichtung bzw. einer neuen Hilfeform: Familienkrisendienst. 6 Wochen intensive Unterstützung bei der Frage: „Geht es, oder geht es nicht?“ Das war mein Ding! Neues, positives Denken, gute Methoden, Offenheit in der Arbeit und die Helfer mit allem, was ihnen zur Verfügung steht im Geschehen. Die Möglichkeit, Krisen gemeinsam mit der Familie durch zu arbeiten.

Diese Arbeit habe ich dann ab 2000 13 Jahre als Leitung eines kleinen Teams (3 Kolleginnen) gemacht. Und ich habe viel dabei gelernt… Über mich, über die Familien, über meine Art des „Leitens“…

2001 habe ich mir dann endlich meinen Wunsch erfüllt und die systemische Ausbildung gemacht. Und wieder spielt „das Leben“ anders, als gedacht… Während der Ausbildung Ehekrise mit Trennung, die verschiedensten Zukunftsmodelle durch gedacht und geplant, meine jetzige Frau kennen und lieben gelernt und dann doch der klassische „getrennt lebende Vater“ geworden.

Eigene Selbstständigkeit

Meine zweite Frau ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und hatte, als ich sie kennen lernte, schon eine eigene Praxis. Sie plante damals gerade einen Anbau an ihr Haus, um in einem größeren Raum eben auch Familientherapie anbieten zu können.

Nachdem sich die privaten Wirren gelegt hatten, verfolgten wir gemeinsam das Ziel bzw. die Vision einer gemeinsamen, Familientherapeutischen Praxis. Leider stellte sich schnell heraus, das das für uns zuständige Jugendamt kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit uns hatte und das es uns nicht möglich war, genügend selbst zahlendes Klientel zu erreichen, das es ermöglicht hätte, das ich auf meinen Job verzichten kann.

Es gab in der Zeit trotzdem immer mal wieder Versuche, eine eigene Selbstständigkeit aufzubauen. Ich habe einige Fortbildungen in Eigenverantwortung angeboten und vermarktet, hatte den ein oder anderen Klienten, aber es reichte eben nie, meine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.

Aus der Vision der gemeinsamen, Familientherapeutischen Praxis sind abendliche Paarberatungssitzungen geworden, die ich gemeinsam mit meiner Frau (von Paar zu Paar) anbiete. Das läuft gut und macht uns beiden viel Freude. Diesen Teil der Vision konnten wir umsetzen.

Aktuell

Welche Vision treibt mich aktuell an?

Ich habe über diese Frage viel nach gedacht. Ich denke, ich habe vieles von meinen Visionen umgesetzt, wenn auch nicht alles (über das Verhältnis zwischen Vision und Realität dann mehr im 3. Beitrag zu dem Thema…). Aber ich denke, die für mich wichtigsten Elemente konnte ich umsetzen.

Zur Zeit habe ich bei der Frage nach meiner Vision immer ein Bild vor den Augen: den „berühmten“ einsamen Lehrer oder Meister, meditierend auf einem Berg vor einer kleinen Hütte oder Höhle, zu dem die Menschen (Schüler) kommen, um sich Rat zu holen. Ich bin nicht so vermessen, dass ich glauben würde, ich könnte so ein weiser, alter Meister sein, aber das Bild deckt sich mit vielem, was ich für mich wichtig finde. Ich möchte immer weiter und mehr lernen über dieses Leben und wie es sich gut leben lässt, und ich möchte dieses Wissen weiter geben (deshalb auch dieser Blog ;-)). Ich weiss, dass ich in ein Alter komme (ich werde im nächsten Jahr 50), in dem die äußeren Werte nicht mehr wichtig sind. Ich habe ein Haus gebaut, Kinder gezeugt und erzogen und auch den ein oder anderen Baum gepflanzt. Jetzt geht es um die „Reise nach Innen“, wie Rüdiger Dahlke sagt. Und ich freue mich, wenn ich die Eindrücke dieser Reise teilen kann und mein Wissen anderen nützlich ist…

Soweit für heute… nun ist dieser Beitrag doch länger geworden, als ich gedacht hatte… ;-)

 

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Ein Gedanke zu „Visionen 2 / Persönliches

  1. Lieber Hans-Jürgen,
    als Teilstrecken-Weggefährtin habe ich mit besonderem Interesse Deine persönliche und zugleich erfrischende Reflektionen gelesen. Sie scheint mir sehr authentisch, und da Deine Kindeheits- und Jugendvision der meines älteren Bruders gleicht hatte ich fast das Gefühl, dabei gewesen zu sein.
    Viel Spaß weiterhin mit Deinem schönen und ehrlichen Blog!
    K. W.

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